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Gesche Santen

Ich glaube, ich habe dieses Jahr kein Skizzenbuch.


Hallo Reader!

Ich glaube, ich habe dieses Jahr kein Skizzenbuch.

Vielleicht klingt das erstmal nach: „Gesche hat die Skizzenbuch-Routine - mal wieder -nicht durchgezogen.“ Aber genau das ist es nicht.

Jahrelang habe ich Naturskizzenbücher und botanische Aquarellbücher gefüllt. Oft chronologisch: Die Erde dreht sich, die Jahreszeiten liefern Motive, Seite für Seite sammelt sich Natur an.

Letztes Jahr habe ich wieder angefangen. Nach ein paar Seiten war es vorbei. Nicht, weil ich „gescheitert“ bin, sondern weil sich mein Blick verändert hat.

Ich bin nicht weniger Unkraut-Maler*in geworden. Ganz im Gegenteil: Ich bin noch tiefer eingestiegen in die Beobachtung der Pflanzengemeinschaften vor meiner Haustür.

Nur: Ein gefülltes Skizzenbuch ist nicht mehr mein gewünschtes Endergebnis.

Das Vergissmeinnicht, das mir den Knoten gelöst hat

Ich habe letztes Jahr auf dem Sand-Trockenrasen am Dorfplatz ein Hügel-Vergissmeinnicht (Myosotis ramosissima) entdeckt. Diese Sorte hatte ich dort vorher nie wahrgenommen.

Im Jahr davor war es das Buntes Vergissmeinnicht (Myosotis discolor).

Und plötzlich wurde mir klar: Es stehen hier nicht „die einen Magerrasen-Vergissmeinnicht“ herum, sondern erstaunlich viele verschiedene Arten. Direkt vor meiner Nase.

Wie viele hatte ich noch übersehen?

Ich habe es gemalt, weil ich dachte: „Das ist der nächste Schritt.“ Aber es fühlte sich unbefriedigend an. Nicht das Motiv war das Problem. Sondern der Rahmen.

Denn eigentlich will ich nicht einfach nur ein Motiv „abhaken“.

Ich will Geschichten herausfriemeln.

Ich will Augen öffnen für die kleinen (und manchmal ziemlich großen) botanischen und pflanzensoziologischen Wunder, die einfach so hier rumstehen und kaum jemand wirklich anschaut.

Weg vom „Jahreszeiten-Sortieren“

Früher war mein sortierender Faktor vor allem: Was die Jahreszeit gerade hergibt.

Chronologisch, aber selten thematisch.

Für 2026 möchte ich anders sortieren. Nach Fragen. Nach Perspektiven. Nach Neugier.

Zum Beispiel:

  • Spezifische 1–2 Quadratmeter über das Jahr beobachten.
  • Die verschiedenen Vergissmeinnicht-Arten vergleichen. Merkmale? Standorte? Blühtezeiten?
  • Pflanzen mit „Sonnenbrand-Schutz-Haaren“ sammeln.
  • Gelbe Korbblütler: Wer ist wer, und wann blüht was wo?

Die Möglichkeiten sind unendlich. Meine Ideenliste leider auch.

Mein Experiment 2026: Leporello statt Skizzenbuch

All das ginge natürlich auch in einem gebundenen Skizzenbuch.

Aber ich möchte es greifbarer machen. Anschaulicher. Und vor allem: als klar abgegrenzte Mini-Projekte, statt chronologisch aneinander gereiht.

Mein Experiment für 2026 sind deshalb selbstgemachte Leporellos (Concertina-“Bücher”), die ich jeweils zu einem Thema fülle.

Für den Anfang plane ich:

  • ein Leporello zu einem bestimmten Stück flechtenbewachsenden Sand-Trockenrasen (über das Jahr)
  • ein Leporello zu botanisch interessanten Funden am Dorfplatz
  • ein Leporello zu Flechten (für die Zeit, in der Schnee und Winter mich ausbremsen)

Und ja: In einer idealen Welt kommen noch zehn weitere dazu. (Greiskraut-Arten? Vielleicht!)

Ergänzend dazu führe ich (schon seit 2023) ein Projektbuch, indem ich alle Ideen, Informationen und Gedanken zu den aufkommenden Pflanzengeschichten zusammentrage.

Warum das für mich so gut funktioniert

Ich merke, wie sehr mir das hilft:

  • Ich habe klar abgegrenzte Projekte statt einer endlosen chronologischen Abfolge.
  • Ich darf meinen spezifischen Neugierden folgen.
  • Die lockere Skizzenbuch-Energie bleibt, aber das Entweder-oder („Skizzenbuch“ vs. „ordentliche Illustration“) löst sich.

Aber natürlich dürfen wir alle gemeinsam gespannt sein, wie sich das Jahr entwickelt und wie viele Leporellos ich dir zeige. 😜

Und du?

Das heißt nicht, dass du dein Skizzenbuch aus dem Fenster werfen solltest.

Skizzenbücher haben großartige Vorteile: Transport, Übersicht, dieses wunderbare Gefühl, durch ein gefülltes Buch zu blättern.

Aber wenn du auch damit haderst, ein ganzes Skizzenbuch „voll“ zu machen, kann ein Leporello mit 6 Seiten eine richtig gute Alternative sein.

Welche Frage würdest du gern ein paar Wochen lang verfolgen?

Nur Frühblüher? Ein bestimmter Wegrand? Eine Pflanzenfamilie? Ein Quadratmeter?

Und noch ein kleiner Trost zum Januar:

Vor-Frühling Zeitraffer Projektwochen

Januar ist ein genauso guter Zeitpunkt wie jeder andere, um wieder anzufangen zu Malen.

Und gleichzeitig ist Januar oft der schlechteste Zeitpunkt, um „das botanische Skizzenbuch des Jahres“ starten zu wollen.

(Wir sind mitten im Winter. Bei mir ist wortwörtlich gerade Schneesturm. Vielleicht liegt der Zauber gerade darin, keins zu starten.)

Um im Februar dann langsam aber stetig dem Frühling entgegen zu fiebern, starten wieder Projektwochen im Aquarell-Studio Botanikum.

Im Vorfrühling-Zeitraffer Projekt beobachten wir 4 Wochen lang einen Frühblüher (draußen oder im Topf) und halten seine Entwicklung in Aquarellskizzen fest.

Dazu gibt’s ergänzende Inputs (botanische Neugier und Technik-Experimente) um wieder Schwung in dein botanisches Skizzenbuch zu bringen

  • Wenn du den Botanikum‑Jahrespass hast, sind die Projektwochen inklusive.
  • Und wenn du (noch) nicht dabei bist: Du kannst sie dieses mal auch einzeln kaufen und ohne weitere Verpflichtungen mitmachen.

Darüber schicke ich in den nächsten Wochen aber noch mehr Infos, also Augen offen halten!

Bis bald,

Gesche


Nicht lang schnacken, Pinsel schnappen!

Hier findest du einen Überblick all meiner Onlinekurse, die dir helfen wunderschöne Wildkräuter in Aquarell zu malen!

https://geschesanten.com/kurse-workshops/

Gesche Santen

In meinem 🌿📝✨Feldnotizen Newsletter teile ich meine Gedanken und Prozesse rund ums Wildblumen malen in Aquarell. Dabei gibt es für dich eine geballte Handvoll praxisnaher Tipps - rund um Technik, Botanik und “nett zu dir sein, während du malst”. 💚

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