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Gesche Santen

Jedes noch so große Mal-Projekt, startet mit 'nem ersten Bild (Magerrasen und Bergsandglöckchen Glück) | Feldnotizen Gesche Santen


Hallo Reader,

da habe ich mir was vorgenommen… wie immer hilft nur Ruhe bewahren, Hand ausschütteln, frischen Bünting-Tee aufbrühen.

Seit ich vor drei Jahre zurück in meine alte Heimat gezogen bin, faszinieren mich die Überreste der Sandtrockenrasen.

Mager, luftig bewachsen voll mit Silbergras, Glockenblumen und Nelken.

Gleich auf den ersten Blick war mein Eindruck: Hier wachsen ne Menge dolle Arten. Vor allem hat die Wäschewiese meiner Nachbarn mehr Pflanzenarten, als die entsprechenden Schutzgebiete um Münster, die ich mit der Uni besucht habe.

Und irgendwie traf ich niemanden, dey sich ähnlich dafür begeistern konnte.

Der Boden hier im Aller-Leine Tal lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen:

  • Schwerer, nährstoffreicher Aue-Lehm Richtung Fluss, entstanden durch Jahrhunderte an Hochwassern
    und
  • leichter, nährstoffarmer Heidesand, von der letzten Eiszeit von ca. 10000 Jahren hier liegen gelassen.

Wenn du nicht gerade Kartoffel oder Spargel anbaust, dann kannst du mit dem lockeren Sand kaum etwas anfangen.

Alles vertrocknet mega schnell, es wächst kein Obstbaum so richtig gerne, deine Zaunpfosten halten nicht.

Das einzig Positive? Wegen fehlender Nährstoffe und schnell versickerndem Wasser musst du deinen Rasen nicht so oft mähen, denn der wächst eh nicht über 17 cm hoch 🥴

Wenn ich da dann ankomme und begeistert jauchze, weil deine Wiese im Garten sooooooo mager (nährstoffarm) ist, dass da Krustenflechten auf offene Fläche wachsen, stößt das auf wenig Verständnis.

Ich kann nicht betonen, wie unglaublich artenreich hier so manches Ökosystem noch sind. Ich habe meinen treuen Ellenberg (das monströse Buch auf dem Foto) aufgeschlagen und einmal die Kennarten von Silbergrasfluren nachgeschlagen. Praktisch alle Arten habe ich hier schon gesehen.

Ich habe mir vorgenommen diese Vielfalt an Pflanzenarten, die ich hier in unbeachteten Fragmenten im Ort verteilt finde, zu dokumentieren.

Sie sichtbar machen.

Vielleicht sogar andere Menschen ein wenig anstecken mit meiner Begeisterung.

Ein Projekt, dass nicht über Nacht gemacht ist. Auch nicht über ein Jahr hinweg.

Aber auch das größte Projekt beginnt mit einem ersten Bild.

Ich habe mich diesen Monat in das Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) verguckt.
Eine wunderschöne Glockenblumenart im zartesten Violett, die gerade massenhaft blüht.

Sie wächst nur dort, wo der Boden extrem sauer ist ,also kein Kalk mehr da ist. Außerdem zeigt sie Stickstoffarmut an. Logischerweise kommt sie also nur auf Flächen vor, die noch nie gedüngt wurden, was bei mir im Ort Poseidon-sei-Dank auf einigen Obst- und Wäschewiesen der alten Bauernhäuser der Fall ist.

Ich habe bereits Fotos gemacht, meine Komposition grob festgelegt.

Als Papier nutzte ich diesmal Büttenpapier mit einer matten, recht feinen Oberfläche. Ich möchte das die Leuchtkraft der Farbe mehr im Mittelpunkt steht als jedes kleinste Detail der Blüte. Mal schauen, ob mir das gelingt.

Die Zeichnung geht langsam voran. Ich muss aufpassen, dass ich mir nicht meine Hand verkrampfe und überstrapaziere.

Du darfst gespannt sein, ob du irgendwann das fertige Bild siehst, oder ob es unauffällig in meiner “nicht so gut”-Schublade verschwindet. ☺️

Wenn du Lust hast ein bisschen schneller, locker und flockiger Blumen zu malen, dann hast du noch diesen Wochenende die Gelegenheit Klatschmohn, Klee und Spitzwegerich in meinem kostenlosen Workshop mit mir zusammen zu malen.

Auch das Sommer-Angebot für den Gemaltes Herbarium Kurs und den Botanischen Skizzenbuch Sommer sind nur noch bis Montag zu haben.

Egal, ob wir uns in den Botanischen Skizzenbuch Session sehen oder nicht, ich wünsche dir einen zauberhaften Sommer mit ganz viel Zeit zum Entdecken und Malen,

Gesche

Gesche Santen

In meinem 🌿📝✨Feldnotizen Newsletter teile ich meine Gedanken und Prozesse rund ums Wildblumen malen in Aquarell. Dabei gibt es für dich eine geballte Handvoll praxisnaher Tipps - rund um Technik, Botanik und “nett zu dir sein, während du malst”. 💚

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